"Für jede Lösung ein Problem" - das klingt wie ein tolles Rezept.

Lesespaß pur - Claudia Runge
Lesespaß pur - Claudia Runge
Kerstin Gier schildert fröhlich den auswegslos scheinenden Alltag ihrer Heldin. Das Buch ist eine entspannte Antwort auf müde Lebenshilfeschmöker.

Wenn es so etwas wie Kultbücher und Pflichtlektüre gibt, dann gehört dieser Roman von Kerstin Gier auf jeden Fall dazu. Auf etwa 300 Seiten beschreibt die Schriftstellerin, wie frau erfolgreich mit dem Wahnwitz Leben umgehen kann. Die Dinge, an denen sich Hauptfigur Gerri Thaler erfreuen kann, lassen sich an einer Faust abzählen. Da möchte frau mitweinen, doch muss sich stattdessen den eigenen Lachmuskeln geschlagen geben.

Über 30, ein kleiner Depri und Langeweile? Dann ran an „Für jede Lösung ein Problem“ und losgelacht!

Was tun, wenn absolut alles schief geht?

Gerri ist mit ihrem Privatleben, ihrem Job und ihrer Familie nicht gerade gesegnet. Eine Mutter, die die Namen ihrer Töchter nicht gebacken kriegt, ein komischer neuer Cheflektor, nervige Vermieter und unglaublich anstrengende Männerbegegnungen bringen sie zur Verzweiflung. Sie plant das ultimative Ende und träumt von einem glamourösen Date mit Joe, dem Sensenproduzenten. Die endgültige Entscheidung macht mutig, und so schreibt Gerri Abschiedsbriefe der besonderen Art – direkt und unverblümt. Einerseits gut, dass das mit ihrem Abgang und vermeintlich letzten Minuten so gar nicht klappen will. Was aber tun, wenn man ehrliche Briefe nicht mehr aufhalten kann, und das eigene Leben immer noch ein Desaster ist?

Freunde sucht man sich aus, Familie hingegen ...

Gerri ist eine leicht verrückte aber absolut sympathische Sie mit Hang zur Tollpatschigkeit. Ihre Familie ist zickig, an Schläue kaum zu unterbieten und besitzt soviel Einfühlungsvermögen wie eine Fernbedienung, die auf Restbatterie läuft. Aber es gibt ja noch Gerris Ex-Lover Ulrich und ihre beste Freundin Charly, die miteinander verheiratet sind und voll hinter Gerri stehen. Ihre Freunde sind alles Pärchen, die größtenteils mit der Familienplanung schon längst begonnen haben. Die nervige Chefin, diverse Ex-Dates, bekloppte Zwillingsneffen, eine herzerfrischende Erbtante Hulda und religiös übereifrige Nachbarn runden den spielerischen Alltag ab. Wenn da nicht noch der schöne Adrian wäre …

Gier-ig nach Humor

Kerstin Gier schreibt Romane für Frauen seit 1995. Was nicht heißt, dass sie ein typischer Mann nicht genauso gut lesen oder sogar über den gemeinhin abgedruckten Witz lachen kann. „Männer und andere Katastrophen“ wurde verfilmt, „Ein unmoralisches Sonderangebot“ 2005 mit der „DeLiA“ bepreist, und auch ihre anderen Bücher sind gern gelesene Schmöker. Aus der ehemaligen Diplompädagogin wurde eine freie Autorin, die nun mit Familie und Haustieren nahe Bergisch Gladbach wohnt.

Die idealen Umstände

Wenn die Depri-Phase so richtig unerträglich ist, die besten Freunde im Urlaub sind und frau vielleicht emotional und quatschtechnisch am Verhungern ist – dann ist es Zeit für eine Leserunde. Idealerweise an einem freien Regentag, wenn alle TV-Sender streiken, gemütlich ins Bett oder die hauseigene Hängematte gekuschelt, mit Kakao oder einem Eisbecher. Wer danach seine eigenen Wahrheitsbriefe schreibt und abschickt, hat die Botschaft verstanden und verinnerlicht. Richtig lustig wird es, wenn die Freunde alle wieder da sind, denn dann kann aus dem Buch ein Gesellschaftsspiel gemacht werden, bei dem z.B. Briefe und Dialoge mit verteilten Rollen laut vorgelesen werden. Der Phantasie sind hierbei genau wie in Kerstin Giers Roman absolut keine Grenzen gesetzt. Und mal ehrlich, wer hier nicht lacht, ist selber schuld.

Kerstin Gier, "Für jede Lösung ein Problem", Verlagsgruppe Lübbe GmbH & Co. KG, Bergisch Gladbach, 2007, ISBN 978-3-404-15614-6, etwa 7,99 Euros

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